Andrea & Klaus


Es ist der 60. Tag: Teil 2 by Andrea Kuenstle
September 20, 2009, 19:21
Filed under: Fahrrad(welt)reise | Schlagwörter:

Wir erreichen die Bundesstrasse 1. Schnaufen durch und rauf. Die anfänglichen Sorgen, dass wir hier riesige Probleme bekommen scheint die ersten Kilometer unbegründet. Kurz vor dem Nationalpark nehmen wir nen Campingplatz. Besuchen  am nächsten Tag den Nationalpark Plitvicka und fahren noch ein Stück weiter. Och, so schlimm ist die Bundesstrasse 1 ja garnicht. Doch, plötzlich sind sie alle wieder da, die großen schnellen LKWs. Wir lernen laut zu fluchen. Klaus warnt micht jedesmal, wenn einer kommt, aber irgendwann sind es zu viele. Eine spezielle Sorte gelber LKWs hat allen Hass auf sich gezogen. Wir malen uns aus, wie in den kroatischen Nachrichten steht: „Unbekannte schlitzen die Reifen der gelben LKWs im ganzen Land auf“. Wir sind jetzt nicht nur körperlich müde, sondern vor allem auch mental. Die Landschaft hier ist kahl und scheint unfruchtbar. Riesige Schafherden ziehen durch die karge Hochebene.
Wenn diese zu dicht an der Strasse stehen erschrecken Sie fürchterlich vor uns und unserem Troß, mit unseren wehenden Warnwesten, die wir mittlerweilen Beide tragen. Die LKWs scheinen ihnen eher nicht aus zu machen.
Wir sind das Hupen leid, welches teils als Warnung, teils als Zeichen, dass wir im Weg sind, aber auch als freundlicher Zuruf gilt. Der nächste der hupt…..
So erreichen wir nach einigen Minenfeldern mit Warnschildern, Gracac, einen Ort, der unheimlicher nicht sein konnte. Zerbombte Häuser, arme Menschen, leer, verstaubt, ängstlich,……
Wir brauchen eine Unterkunft, können heute nicht mehr weiter, fühlen uns unwohl.
Nach längerem Suchen finden wir zwei Männer, die Englisch sprechen. Sie helfen uns, nachdem ich mich nicht mehr weg bewegte. Irgendwie war des jetzt in Ihrer Verantwortung und da sie mich nicht los wurden….. sie bringen uns zu einem befreundeten Gastwirt ein wenig ausserhalb des Ortes.
Hier können wir unser Zelt aufbauen, die Familie macht uns am Abend noch etwas zu essen und wir schlafen.

Gracac Abendessen

Gracac Abendessen

Schafschlachtung

Schafschlachtung

Die Zwei Männer erzählten uns auch vom Krieg und von der Zeit jetzt. Eine ganz andere Geschichte als die von Josip. Hier ist noch viel mehr zerstört, die Gelder aus der EU werden für Kirchen und Kathedralen verwendet, bei der Bevölkerung kommt nichts an. Und hier sehen wir auch, was Josip uns erzählt hat: wenn man nicht wollte, dass sein Haus abgebrannt, zerstört wird, dann schrieb man in großen Buchstaben an die Hauswand „Hrvatska“ (Kroatien) und blieb so verschont.
Am nächsten Morgen, kaum das Zelt geöffnet, entdecken wir den Gastwirt bei seiner täglichen Arbeit: ein Schaf für das Essen vorbereiten…….
Nachdem wir uns mit Worten so gar nicht austauschen können geht es aber mit Karten und Händen und Füssen. Unsere Erzählungen bewegen ihn uns ein fürstliches Frühstück zu machen. Wir hauen uns den Bauch voll, er beschreibt uns irgendwie, dass der letzte Anstieg gar nicht so schlimm ist und wir fahren wieder los. Heute soll es zur Adriaküste gehen. Die Hoffnung, dass wir nach dem Velebit-Gebirge, das vor uns steht, dann das Meer sehen, beflügelt uns irgendwie.
Also 10 km mit 6% rauf, oh, noch kein Meer.

Velebit Top

Velebit Top

Als nächstes 12 km mit 6% runter. Mhhhhh immer noch nichts.

Velebit

Velebit

Velebit LKW

Velebit LKW

Velebit Abfahrt

Velebit Abfahrt

Velebit wir sind fast unten

Velebit wir sind fast unten

 

Hier waren wir schon ziemlich kaputt. Ich wäre lieber noch ein wenig bergauf gefahren, da die Abfahrt eine echte Anstrengung bedeutete… und das natürlich nicht ohne LKW’s.
Dann 10 km Richtung Westen unterhalb des Velebit entlang mit einem netten Warnschild: Vorsicht Seitenwind.
Und den hatten wir. Und das nicht kontinuierlich, sondern böig, böig, böig.
Wir schätzen so im Schnitt 40 Knoten. Also zumindest hat er uns mühelos über die Mittellinie gepustet. Unsere Strategie: anhalten, wenn ein Auto kommt und so Meter für Meter vorwärts. Das klappte dann auch irgendwie. Später erfuhren wir, dass dieser Bora manchmal bis zu 300 km stark wird und dann die Autobahn gesperrt wird.
Toll, hätten wir das vorher gewußt. Na gut, geschafft. Weiter Richtung Meer nach Zadar. LKWs und drängelnde andere Fahrzeuge lassen uns langsam kalt. Hupt doch. Schimpft, oder grüßt doch. Egal. Wir wollen nur noch irgendwo ankommen. Zadar ist erreicht und wir können uns noch nicht einmal richtig über das Meer freuen.
Schlafen schlecht, direkt neben uns ist Party in einer Disco bis morgens um 4 Uhr. Nehmen uns vor am nächsten Tag auf die Insel Pasman zu fahren und uns dort 3!!! Tage zu erholen.
Meine Augen sind müde. Ich sehe schlechter als sonst. Wir sind unaufmerksam, alles ist anstrengender als noch vor der Tour über den Velebit. Die Fahrt am nächsten Morgen über die Insel geht nur langsam voran und dann sind wir angekommen. Wieder mal recht spät, so dass wir uns nur schnell einen Platz für das Zelt suchen, direkt am Wasser unter Pinienbäumen.
Ab jetzt wird erholt. Dachten wir.


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