Andrea & Klaus


Das alltägliche Leben in der Türkei by Andrea Kuenstle
Januar 5, 2010, 09:00
Filed under: Fahrrad(welt)reise, Weltreise, Weltreise mit dem Fahrrad, Weltreise mit Fahrrad | Schlagwörter:

Da gibt es zum Beispiel den Straßenverkehr, die Stromversorgung, die Bauweisen, das Essen, EFES Bier , den Tee und die Abfallentsorgung.

Fangen wir doch mal mit dem Straßenverkehr an: wir haben mit unseren Rädern keine drängelnden Autofahrer erlebt, aber es schien uns zuerst nicht so geordnet chaotisch wie z.B. in Italien, aber wir haben es kapiert. Hier wird viel auf Sichtkontakt gefahren, rote Ampeln nur bedingt ernst genommen, die Helmpflicht komplett ignoriert, auf den Rollern sitzen oft bis zu 4 Personen, Kinder zwischen Mama und Papa eingeklemmt, 12 jährige schon mit Rollern auf der 4-spurigen Schnellstrasse.
Wir lernen von Yusuf uns in Antalya durch zu schlängeln: Sichtkontakt, Hand hoch und fahren 🙂
Das rote-Ampel-ignorieren-Prinzip lerne ich von Volcan bei der Fahrt zum Tierarzt: wenn Du alles einsehen kannst, warum stehen bleiben? Und so machen das hier alle. Also wenn einer an der roten Ampel stehen bleibt, obwohl das nicht nötig ist, wohl ein Tourist, dann wird der auch gerne rechts überholt.
Und überhaupt, wenn Deine Fahrtrichtung 2-spurig ist, zum Beispiel oft an Steigungen in den Bergen, vertrau nicht darauf, dass die Entgegenkommenden die Spur trotz durch gezogener Linie nicht auch nutzen.
Einbahnstrassen- und Sackgassen-Schilder sind noch nicht erfunden, so dass wir lernen, uns einfach in den Hauptverkehr einzureihen. Das klappt immer.
Manchmal wird auch auf den Straßenbahnschienen gefahren, wenn nämlich die Strasse eine Einbahnstrasse ist und der richtige Weg einen großen Umweg bedeuten würde.

EFES Bier: nur interessant, weil es das einzige Bier in der Türkei ist und da in der Türkei der Genuss von Alkohol nicht soooo angesehen ist, trifft man sich öfters außerhalb und genau dort liegen dann reichlich von den EFES Bierflaschen herum und noch mehr EFES Kronkorken.
Der Türke ein Teeliebhaber , für mich ein Paradies, zumindest was den Tee angeht. Es gibt ihn immer und überall: an der Strasse, vom Nachbarn, nach dem oder vor dem Essen, vor dem Supermarkt, in der Autowerkstatt (dort holen wir uns meistens die Luft für unsere Reifen und neuerdings auch für die Tröte an Klaus Fahrrad)…… oft umsonst und wenn nicht, dann kostet so ein Tee 25 Cent. Einzig mit dem Zucker wird geknausert, der ist sehr teuer hier. Kaffee bekommt man natürlich auch, aber das ist eher neumodischer Luxus, da er einfach zu teuer ist.

Stromversorgung: natürlich ist die gut, aber umso erstaunlicher, dass selbst in großen Hotels bei einem Gewitter diese immer wieder unterbrochen wird und damit bin ich auch schon bei der Bauweise von Gebäuden:
hier wird nichts für die Ewigkeit gebaut. In besagtem Hotel regnete es ordentlich rein, die Türen mussten mit Stoffen abgedichtet werden, weil beim Bau der Terrasse nicht darauf geachtet wurde, dass das Wasser in die richtige Richtung abfließt. In anderen Gebäuden waren die Dichtungen an den Fenstern wohl nur zur Zierde angebracht, Fensterscheiben wurden mit angepinselt, wenn die Wände gestrichen wurden, Räume werden zum Reinigen lediglich mit einem Wasserschlauch ringsherum abgespritzt, Kabel hängen überall herum, kleine Abgrenzungen aus Ziegelsteinen um Beete werden nicht verputzt und sind krumm und schief aufeinander gelegt…..
Alles nicht schlimm, aber bei unserer deutschen Gründlichkeit fragen wir uns schon, woran das liegt? Keine Lust, keine Ausbildung, sehen die Menschen dass nicht? Ich glaube fast, dass viele Häuser sowieso nur im Winter zum Schutz vor der Kälte dienen. Der Sommer wird draußen verbracht, also warum mehr Aufwand investieren?

Lustig finden wir das scheinbar standardisierte Essen: ein Frühstück besteht fast überall aus: Ei, schwarzen Oliven, einer Tomate, einer halben Gurke, einem Stück Schafskäse, Butter, Marmelade und das oft auch noch genau gleich angerichtet. Ob es dazu ein Gesetz gibt? Auch manche andere Speisen sind sich soooo ähnlich: Brot, darauf Hackfleisch, 4 gegrillte Peperoni, 2 gegrillte Zwiebeln…aber es schmeckt. Wir lieben das frische Gemüse.

Die Abfallentsorgung ist auch irgendwie anders: die Müllbeutel werden abends auf die Strasse vor die Türen gelegt, dann bedienen sich erstmal die Katzen und die Hunde und am Morgen ist alles wie durch Zauberhand weg. Eine Mülltrennung gibt es nicht, aber wir haben ein paar mal Fahrräder oder Handkarren mit abenteuerlichen Aufbauten gesehen, mit denen Altpapier oder Plastikmüll eingesammelt wird. Und wir haben leider auch Müllhalden gesehen, sicher die ein oder andere nicht offiziell, ringsherum wohnen Menschen in ihren Hütten. Eine Müllhalde gab es mitten in den Bergen, wahrscheinlich nicht abgedichtet und ich könnte mir denken, dass hier Einiges durch die Flüsse ins Tal und ins Meer gelangt.
Aber wisst ihr was: wir lernen nur langsam die Türkei kennen und bislang auch nur einen klitzekleinen Teil an der Südküste. Es gibt noch sooo viel zu entdecken.


3 Kommentare so far
Hinterlasse einen Kommentar

Von mir auch noch (verspätete) liebe Neujahrsgrüße! Wünsche Euch weiterhin gute Fahrt und weiter so viele tolle Erlebnisse 🙂

Euer Thomas

Kommentar von Thomas

Hi Ihr Beiden (Ihr 4); ein Gutes Neues Jahr. Wir haben es ruhig verbracht. Weihnacht und Neujahr war ein so warmes Wetter (in der Sonne über 30 Grad), daß wir jeden Tag baden waren. Die Olivenernte ist vorbei, – ein wunderbares Öl ist dabei herausgekommen in einer enormen Menge, wie wir sie noch nie hatten. Also alles in Ordnung in unserer kleinen Welt. Euch viel Freude, auch wenn es oft genug schwer fällt, angesichts der maßlosen Verachtung vieler Menschen für die Natur/ Tiere, – vielleicht muss man es einsehen: so sind die meisten Menschen, – wir ändern sie nicht. Ich versuche es dennoch, und lege mich z.B.mit Jägern an. Natürlich vordergründig erfolglos, – aber es ist vielleicht besser, ein kleines Zeichen zu setzen….. Ihr seid in unserer Erinnerung verankert, und das ist schön so. Ihr habt in Griechenland ein ZuHause. Das ist doch mal was , oder ??? Euer Jogi

Kommentar von Jogi Alisseos

Hallo ihr 4,
wie spannend etwas aus der Türkei von euch zu erfahren, wie ist das etter, ich hoffe fahrradtauglich.
Hier in Norddeutschland liegt Schnee und das ist eher ungewöhnlich.
Ich wünsche euch noch eine schöne Zeit in der Türkei und hoffe bis bald.
Liebe Grüße
Dagmar

Kommentar von Dagmar Remmers




Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: